Das e.l.f. ★ Europa-Interview mit der Journalistin Ronja von Wurmb-Seibel

Ronja von Wurmb-Seibel ist Journalistin und Autorin. Sie lebt in Hamburg und Kabul in Afganistan, Eben erschien ihr neues Buch „Ausgerechnet Kabul - 13 Geschichten vom Leben im Krieg“.

Wo bist Du geboren?
Gräfelfing.

Wo wohnst Du heute?
Hamburg & Kabul.

Bist Du gerne Europäer / lebst Du gerne in Europa?
Ja.

Warum?
Weil wir in Europa, gerade in Deutschland, ein wahnsinnig hohes Maß an Sicherheit und Versorgung haben. Wir haben Schulen, Ärzte, Krankenhäuser. Wir können mit dem Zug von einer Stadt in die andere und von einem Land ins andere reisen. Wir könnten es uns leisten, an den wirklich großen Herausforderungen unserer Zeit zu arbeiten: Wie schonen wir unsere Umwelt? Wie beenden wir Kriege? Wie stoppen wir Hunger? Wie leben wir gerecht? Wie sorgen wir dafür, dass „die Würde des Menschen ist unantastbar“ nicht zur Floskel verkommt? Ich empfinde das als einen ungeheuren Luxus. .

Du hast eine längere Zeit als freie Journalistin in Afghanistan gelebt – sehr mutig für eine so junge Frau. Wie kam es dazu?
Ich glaube, den einen Grund gibt es nicht – ich wollte einfach hin! Ich hatte Afghanistan schon davor für Recherchen bereist und war jedes Mal überrascht davon, wie viel von dem, was ich erlebte, ich noch nie gelesen oder in den Nachrichten gesehen hatte. Damals hatte keine deutsche Redaktionen einen Korrespondenten in Kabul, trotzdem wurde ständig über Afghanistan berichtet. Das kam mir einfach etwas schräg vor.

Wie verändert das den Blickwinkel auf Europa?
Ich glaube, die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe, ist, wie absolut vernichtend und zerstörend jeder Krieg ist. Und wie wichtig es deshalb ist, dass wir alles tun, um ihn zu vermeiden - bei uns in Europa, und in der ganzen Welt.

Was möchtest Du den Europäern mit auf den Weg geben?
Let's be humans!

Was sind für Dich die besonderen europäischen Werte im Vergleich zu den Werten in Afghanistan?
In Afghanistan sind die Menschen extrem gastfreundlich und sehr gesellig. Ein afghanischer Schriftsteller hat einmal geschrieben, dass die Afghanen in Gesellschaft all das finden, was wir Westler finden, wenn wir alleine sind: Ruhe, Erholung, neue Kraft. Ich denke, das ist der größte Unterschied zwischen den beiden Kulturen.

Dein Lieblingsort in Europa?
Das wechselt ständig. Momentan: die Hängematte in meiner Wohnung in Hamburg.

Dein Lieblingsort in der Welt?
Überall, wo Familie und Freunde sind.

Deine Lieblingspersönlichkeit aus Europa – warum?
Der britische Grafiti-Künstler Banksy. Er zwingt die Menschen hinzuschauen – dort, wo sie eigentlich lieber wegschauen würden. Vor allem kommt seine Kunst ohne jede Sprache aus. Sie ist im wahrsten Sinne grenzenlos.

Kannst Du in einem Satz zusammenfassen, was Du Dir für Europa wünscht?
Weniger Grenzen. Nach innen und nach außen und vor allem: zwischen den Menschen.

Welchen Satz möchtest Du in die Welt hinaus schreien?
Make Love. Not War.

AKTUELLES:

Ronja von Wurmb-Seibel lebt als Journalistin in Hamburg und Kabul. Sie schreibt, fotografiert und produziert Filme. Im März erschien ihr Buch „Ausgerechnet Kabul - 13 Geschichten vom Leben im Krieg“, dass es hier bei Amazon als Buch und eBook zu bestellen gibt.




Interview: 2015